Bildungskongress „GO APP – praktisch lernen“

Inhaltsbeschreibungen der Workshops und der Vorträge am Freitag 20. September

Konzepte und Thesen zur Weiterentwicklung der Fach- und Praxisberatung in der Frühpädagogik

14.00 - 16.00 Uhr   Ort: Hochschule Neubrandenburg, Haus 1

 

Im Rahmen der Professionalisierung der frühpädagogischen Entwicklungsförderung gilt die Fach- und Praxisberatung als wichtiges Konzept zur Sicherung, Gestaltung und Weiterentwicklung von Bildungsqualität. Die in der Literatur und in den Handlungsempfehlungen der Ministerien beschriebenen Konzepte und Aufgaben der Fach- und Praxisberatung sind kaum auf die Qualitätsstandards der jeweiligen Bildungspläne der Länder für Kindertageseinrichtungen bezogen und wenig konkret im Hinblick auf einen Beitrag zur Gestaltung der Bildungsinteraktionen zwischen Erzieherinnen und Kindern.
In diesem Workshop sollen Überlegungen vorgestellt werden, wie die Arbeit der Fach- und Praxisberaterinnen konzeptionell in die Entwicklungsförderung von Kindern nach dem Bildungsplan des Landes M-V entwickelt und gestaltet werden könnte.
Zentrale Elemente sind dabei:

  • Prozesse des Verstehens von Biographieverläufen von Erzieherinnen und Kindern,
  • das Verstehen ihrer Lerninteraktionen und
  • die Entwicklung von Konzepten zur Evaluation von Lerninteraktionen einschließlich der Gestaltung von Beratungsinteraktionen zwischen Erzieherinnen und Fach- und Praxisberaterinnen.

Interaktionsgestaltung in der sprachlich- kommunikativen Bildung

14.00 - 16.00 Uhr   Ort: Hochschule Neubrandenburg, Haus 1

 

Kinder finden eigenaktiv und ganzheitlich in die Sprache hinein. Die Voraussetzungen, die sich aufbauenden Fähigkeiten, um sich die Sprache der Umgebung anzueignen, bringen Kinder intuitiv mit. Um diese Fähigkeiten auszubilden benötigen sie Experten – Erwachsene, ältere Kinder sowie unser Interesse an ihnen und ihren Themen, damit sie Sprache mit all ihren Funktionen und Facetten erwerben können. Erzieherinnen und Erzieher als professionelle Begleiter dieses aufregenden Prozesses kennen die Fähigkeiten, Gewohnheiten und Bedürfnisse „ihrer“ Kinder. Sie verfügen über ein selbstverständliches Alltagswissen darüber, wie sie den Kindern sprachlich begegnen können. Dieses intuitive Wissen ist eine gute Basis, um in einen beziehungsvollen und zugleich sprachanregenden Dialog mit Kindern zu treten.
Jedes Kind, jede Situation mit einem Kind ist einzigartig. Eine alltagsintegrierte sprachliche Bildung und Förderung wirkt immer dann unterstützend und anregend, wenn sie sich an den Interessen und Entwicklungsvoraussetzungen der Kinder ausrichtet und die Gesprächsangebote der Kinder aufgreift.  Das Kind soll Sprache als ein nützliches Werkzeug für sein Handeln, Wahrnehmen und Miteinander erfahren. Und zwar in einem ganz natürlichen und authentischen Austausch, in dem sich Kind und Erwachsene(r) gegenseitig inspirieren.
In unserem Workshop möchten wir Ihnen Impulse und Anregungen für das selbstgesteuerte Lernen geben (z.B. durch die Gestaltung von Lernsituationen, Material).  An Beispielen aus der Praxis wollen wir mit Ihnen gemeinsam den Blick für die eigenen verbalen und nonverbalen Interaktionsfähigkeiten und -möglichkeiten schärfen, um das eigene Dialoghandeln in Worte zu fassen, damit es Ihnen intensiver gelingt, auf die individuellen Bedürfnisse, Interessen und Bildungsstände „Ihrer“ Kinder einzugehen, um Ihnen tatsächlich kompetente Entwicklungsbegleiter zu sein.

 

Konflikte unter Kindern - der professionelle Blick unter Einsatz von Videointeraktionsanalyse

14.00 - 16.00 Uhr   Ort: Hochschule Neubrandenburg, Haus 1

Peer-Interaktionen stellen bereits Kleinkinder vor die Herausforderung, sich mit der sie umgebenden Umwelt aktiv auseinanderzusetzen. Dabei bleiben Konflikte nicht aus. Bereits Kleinkinder verfügen über eine Bandbreite an Verhaltensstrategien, die sie in konflikthaften Interaktionen anwenden. Neben dem interaktiven Austausch von Absichten, Zielen und Sichtweisen, lernen Kleinkinder sich von ihrem Gegenüber abzugrenzen, für eigene Belange einzustehen und Möglichkeiten bzw. Grenzen, das Verhalten ihres Konfliktpartners zu beeinflussen.
Die Vielfalt an sozialen Erfahrungen mit Bezugspersonen, Peers und frühpädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen und Bildungsimpulse prägen die kindliche Entwicklung der sozial-emotionalen Kompetenz. Ihrerseits spielt die sozial-emotionale Kompetenz beim Initiieren interpersoneller Beziehungen eine wichtige Rolle und wird als notwendige Voraussetzung für die Entwicklung von adäquatem Sozialverhalten betrachtet.
In der Kindertagesstätte gehören kleinere Auseinandersetzungen bis hin zu großen Streitigkeiten zum normalen und wichtigen Teil des Alltags. Viele Situationen klären Kinder oftmals recht schnell unter sich. Jedoch gerät die Erzieherin oftmals in die Rolle, den Streit zwischen den Kindern aufzulösen und einen für beide Parteien akzeptablen Konfliktausgang zu moderieren. Eine Möglichkeit, Konflikte zwischen Kleinkindern methodisch aufzubereiten, besteht in der Videointeraktionsanalyse. Die videogestützte Beobachtung bezieht sich auf soziale Alltagssituationen in Form bewegter Bilder. Die videografische Aufzeichnung ermöglicht die wiederholte Anschauung und Beobachtung dessen, was sich an konflikthaften Interaktionen im Feld der unter Dreijährigen abspielt. Außerdem bietet es die Möglichkeit der Beobachtung gleichzeitig ablaufender Aktivitäten.

Partizipation und Elternarbeit am anderen Ende der Welt

14.00 - 16.00 Uhr   Ort: Hochschule Neubrandenburg, Haus 1

In diesem Workshop geht es um die enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften. Wie kann ein gemeinsames Verständnis von Entwicklungsbedingungen zum Kind erarbeitet werden und wie können die Entwicklungsverläufe der Kinder positiv beeinflusst werden, indem Kinder von fachliche Professionellen und Eltern in ihrer Entwicklung beobachtet und entsprechend unterstützt werden? Dies sind zentrale Fragen, die Dr. Gunn aus Neuseeland gemeinsam mit Ihnen diskutieren wird.

Die andere Seite des Lernens – Informelles Lernen als Prozess des Selbstlernens innerhalb und außerhalb formaler Bildungsinstitutionen

14.00 - 16.00 Uhr   Ort: Hochschule Neubrandenburg, Haus 1

Bildungsprozesse werden traditionell der Institution Schule zugeschrieben, sie werden also formalisiert. Welche Bildungs- und Lernprozesse sich außerhalb formalisierter Lernorte in den unmittelbaren Lebens-, Erfahrungs- und Handlungszusammenhängen im Alltag von Kindern und Jugendlichen etwa in der Familie oder in der Freizeit in den Peergroups vollziehen, wird in jüngster Zeit stark diskutiert. Einigkeit besteht darüber, dass die Entwicklung von Kompetenzen nicht ausschließlich über formalisierte Lernprozesse, sondern vor allem auch über informelle Bildung stattfindet.
Was aber ist „Informelles Lernen“? Worin unterscheiden sich formale, informelle und non-formale Bildung? Welche Facetten informellen Lernens gibt es und worin besteht dessen „Mehrwert“ neben formaler Bildung? Welches sind die Bildungsorte, in denen sich informelles Lernen vollzieht? Welche Bedeutung hat das von den individuellen Interessen gesteuerte Lernen für die Kompetenz- und Identitätsentwicklung der Heranwachsenden? Wie lassen sich informell erworbene Kompetenzen identifizieren, bewerten und anerkennen? Welche Herausforderungen ergeben sich für formale Bildungsorte wie der Schule?
Diese Fragen werden im Workshops „Informelles Lernen“ gemeinsam und zielorientiert bearbeitet. Zur Eröffnung des Workshops wird ein Impulsreferat in die Thematik einführen, das ausgewählte Orte und Möglichkeiten informeller Bildung - Peers, Familie und Medien - fokussiert und zu einer anschließenden Diskussion anregt. Der beteiligungsintensive, interaktive und kooperative Austausch soll die Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer für informelle Bildungsprozesse Jugendlicher sensibilisieren und Pädagogen zu Handlungsmöglichkeiten zur Unterstützung und Anregung informeller Lernprozesse im Rahmen von Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit, aber auch von Schule inspirieren.
Dabei wird den individuellen Anliegen und spezifischen Fragen der Teilnehmenden in der Gestaltung des Workshops besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Ergebnisse der Workshoparbeit werden visualisiert und den Teilnehmenden zur Verfügung gestellt.

Körper, Geschlechter und Sexualitäten in (früh)pädagogischen Interaktionen

14.00 - 16.00 Uhr   Ort: Hochschule Neubrandenburg, Haus 1

Jungen und Mädchen, Männer und Frauen - in (früh)pädagogischen Interaktionen treffen neben  unterschiedlichen Rollen wie Erziehende und zu Erziehende  immer auch Körper und ihre Geschlechter aufeinander. Dies gilt für kulturell geprägte Ausdrücke der beiden Geschlechter wie Kleidung, Raumverhalten, Kommunikation etc., noch mehr aber für in Beziehung und Kontakt zueinander tretende Körper. Die Aneignung von Raum, Kommunikationsmitteln und Bildung im Hinblick auf Geschlecht und Sexualität wird im Rahmen des Workshops diskutiert, neuere Forschungsergebnisse  werden thematisiert im Spannungsfeld zwischen Körpersprache und Sexualitäten von Jungen, Mädchen, Erzieherinnen und Erziehern in der (früh)pädagogischen Praxis.

Peer–Learning – die Schule als demokratischer Lernort?

16.30 - 18.30 Uhr   Ort: Hochschule Neubrandenburg, Haus 1

Wer ist eigentlich alles Peer? Die Gleichaltrigen, die Freunde, die Kumpels und Cliquen? Eines ist sicher, Peers sind neben Familie und Schule eine wichtige Sozialisationsinstanz auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Sie beeinflussen die schulische Ordnung, stellen Erziehungsentscheidungen der Eltern in Frage, übernehmen aber auch gesellschaftliche Verantwortung. Peers helfen bei der Zukunftsorientierung, unterstützen einander bei der Bewältigung von Lern–Problemen und geben sich gegenseitig Rückhalt und Stabilität. In zahlreichen Studien wurde die große Bedeutung, die das Lernen im Kreis der Gleichaltrigen für die Entwicklung junger Menschen haben kann, inzwischen belegt. Anders als in Deutschland wurde dies in England und USA schon früh als eine Chance erkannt und für die Initiierung und Gestaltung von Bildungsprozessen genutzt.
Der Workshop könnte dazu beitragen, dass „Peer-Learning“ auch in Deutschland einen höheren Stellenwert bekommt, als dies bislang der Fall ist. Jedenfalls wollen wir in seinem Rahmen die unterschiedlichen Facetten des Peer-Begriffs erörtern und mit Ihnen gemeinsam darüber diskutieren, wie das Lernen in Peergroups in der Schule funktionieren kann – etwa im Hinblick auf die Entwicklung von informellen Lernorten oder die kreative Adaption von grundlegenden Prinzipien und Methoden der sozialpädagogischen Gruppen- und Gemeinwesenarbeit.
Im Mittelpunkt des Workshops steht die Frage, welche Inhalte oder Kompetenzen durch Peers besonders gut vermittelt werden können und wo die Grenzen des Lernens von und mit Gleichgestellten liegen. Daran schließt sich die ganz praktische Frage an, ob man die spezifische Qualität von Peer-Learning auch für institutionalisierte Lernumgebungen fruchtbar machen kann und soll.
Der Workshop richtet sich an Vertreterinnen und Vertreter von Institutionen, Schulen, und anderen Akteuren. Eingeladen sind ebenso Wissenschaftler, Fachkräfte der Jugendarbeit, junge Menschen aus Jugendorganisationen, Schülervertreter und andere Expertinnen und Experten.

Musikalische Bildung - neu denken!

16.30 - 18.30 Uhr   Ort: Hochschule Neubrandenburg, Haus 1

Der Workshop richtet seinen Focus auf die Bedeutung und die Qualität der Interaktionen in musikalischen Bildungsprozessen. Die Musik ist verankerter Bestandteil der Kindertagesbetreuung (Bildungsbereich Musik) und der allgemeinen bildenden Schule (Fach Musik). Bedeutsam ist die Musik dabei in mehrfacher Hinsicht. So ist Musik Bildungsinhalt selbst, ein bildungs- und erziehungsförderndes Medium sowie Teil der wortgebundenen Sprache und Kommunikation. Der Workshop geht der Frage nach, wo Potentiale und Barrieren liegen, bzw. wo es Ressourcen in Bildungseinrichtungen für einen alltagsintegrierten und freudvollen Umgang mit Musik gibt? Impulsgebend werden praxisnahe Möglichkeiten und Interaktionsmuster zur Gestaltung von Bildungsprozessen mit und durch Musik aufgezeigt. In der anschließenden Diskussion geht es um die Frage: „Was braucht Praxis für eine qualitative musikalische Bildung?“ Es könnte ein Ideenkatalog entstehen, der Pädagogen und Verantwortliche in Bildungseinrichtungen und Politik Impulse für eine neu zu denkende musikalische Bildung geben kann.

Die dialogische Lernkultur:  Begeisternde Lernbegleitung Entwicklungs- und Bildungsdokumentation

16.30 - 18.30 Uhr   Ort: Hochschule Neubrandenburg, Haus 1

Wenn heute von pädagogisch qualifizierter Arbeit gesprochen wird, bestreitet keiner mehr die Notwendigkeit zu entsprechender Beobachtungs- und Dokumentationsarbeit. Dienen nicht die gesammelten oder erstellten Dokumente als Ausdruck und Nachweis einer guten praktischen Arbeit? Aber es geht bei der Erfüllung von gesetzlichen Vorgaben innerhalb des Bildungsauftrages zur individuellen Förderung und Begleitung von Kindern doch um mehr als nur um den Nachweis der erbrachten Leistung. Es geht auch und ganz besonders um gelebte Lernkulturen, um Motivation zum lebenslangen Lernen, um Begeisterung für erbrachte Leistungen, um Dialog zwischen allen Beteiligten und nicht um Schubladen oder ein notwendiges Übel, weil Elterngespräche anstehen oder über Förderleistungen entschieden werden soll. Gemeinsam werde ich mit Ihnen die gelebte Praxis hinterfragen und  wir werden unsere Sichtweisen austauschen, um neue Impulse für ihre tägliche Arbeit zu geben und Sie dazu ermutigen, kreativ die Lernkulturen an ihrem Arbeitsplatz mitzugestalten und weiterzuentwickeln.

Der Primat des Sozialen: Interaktionistische Ansätze als Grundlage zur Organisation von Bildungsprozessen in der frühen Kindheit

19.00 Uhr - 20.00 Uhr   Ort: Hochschule Neubrandenburg, Mensa

Prof. Dr. Dr. Wassilios Fthenakis, München/Bozen

Seit geraumer Zeit vollziehen sich makro- wie mikrosoziale Wandlungsprozesse, die die Institutionen miterfassen. Davon unmittelbar betroffen sind Bildungssysteme, die vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte stehen: sie haben die theoretische Grundlage, das Verständnis von Bildung, den methodisch-didaktischen Ansatz, ja die gesamte Architektur des Bildungsverlaufs zu reformieren, wenn sie den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden möchten. Bildungssysteme des 20. Jahrhunderts folgten weitgehend den Prämissen des Nationalstaates, vermittelten vorwiegend Wissen und griffen auf konstruktivistische Ansätze für deren theoretische Fundierung zurück. Dies bietet jedoch keine Perspektive für reformierte Bildungssysteme mehr. Sozialkonstruktivistische Ansätze gewinnen weltweit an Interesse und  interaktionistische Positionen werden herangezogen, um Bildung als sozialen Prozess zu konzeptualisieren. Der Primat des Sozialen und die Bedeutung der Interaktion werden hervorgehoben. Bildungsprozesse werden ko-konstruktiv organisiert, indem sie individualisiert, durch aktive Beteiligung aller Co-Konstrukteure situativ und kulturell eingebettet werden. Die Umsetzung dieses Konzeptes bedarf einer Neuprofessionalisierung der Fachkräfte, benötigt Modelle der Bildungspartnerschaft mit anderen Bildungsorten sowie anders gestaltete, kreative Lernräume.

Interaktion und Selbstreflexion in der kindheitspädagogischen Praxis

16.30 - 18.30 Uhr   Ort: Hochschule Neubrandenburg, Haus 1

Die Bedeutung von Selbstreflexion, im Kontext biografischen Arbeitens, hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Sie bietet dem Subjekt die Chance, über Erinnerungen sowie die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte handlungsfähiger zu werden. Gerade in der Gestaltung von Interaktionsprozessen zwischen Pädagoginnen/Pädagogen und den Kindern, ist es unabdingbar, dass eigene "So- geworden- sein" zu reflektieren, um sein Alltagshandeln besser zu verstehen und angemessen gestalten zu können.