Bildungskongress „GO APP – praktisch lernen“

Inhaltsbeschreibungen der Workshops und der Vorträge am Sonnabend 21. September

Interaktionsdynamiken in Prozessen frühpädagogischer Entwicklungsförderung

09:00 Uhr   Ort: Konzertkirche Neubrandenburg

Prof. Dr. Hans-Werner Klusemann,  Hochschule Neubrandenburg

Wie lernen Kinder und unter welchen Bedingungen lernen sie erfolgversprechend? Und: Wie können wir erkennen, welches Lerngeschehen mehr oder weniger erfolgreich ist? Lernen ist ein Interaktionsgeschehen zwischen Menschen, oft, aber nicht nur, zwischen Pädagogen (Erzieherinnen und Erziehern) und Kindern. Diesem Interaktionsgeschehen liegen emotionale Prozeßdynamiken zugrunde, die das Gelingen von Interaktionen steuern; auch kognitives Lernen. Wie sich emotionale Dynamiken auf Lernen auswirken, und wie man sie für Lernerfolge nutzen kann, darüber wird es im Vortrag gehen und in der dann hoffentlich anschließenden Diskussion.

Grundlagen und Funktionen der Kommunikation in frühen Bildungsprozessen

10:00 Uhr   Ort: Konzertkirche Neubrandenburg

Prof. Dr. Mechthild Papoušek, München

Im Säuglings- und Kleinkindalter sind die kindlichen Lern- und Bildungsbedürfnisse untrennbar mit den frühkindlichen Kommunikations- und Beziehungserfahrungen verbunden. Von Geburt an ist bereits der Säugling fähig und motiviert, sich mit der belebten und unbelebten Umwelt vertraut zu machen, Regeln und Zusammenhänge zwischen seinem Verhalten und der Umwelt zu entdecken und sie aktiv und selbstwirksam zu erkunden. Zur Entfaltung seiner Fähigkeiten benötigt er jedoch vertraute Bezugspersonen, die sich emotional und mit ungeteilter Aufmerksamkeit auf die Kommunikation einlassen, seine Signale von Aufnahmebereitschaft, aktuellem Interesse, affektiver Erregung, Ermüdung oder Überforderung zu lesen verstehen, sich intuitiv in seine innere Erfahrungswelt einfühlen und mit intuitiver Feinfühligkeit Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeitserfahrungen und Eigenaktivität des Kindes unterstützen. Der Vortrag gibt Einblick in die Geheimnisse der vorsprachlichen Eltern-Kind-Kommunikation, des Zusammenspiels von biologisch verankerten kindlichen und elterlichen Motivationen und Kommunikationsfähigkeiten. Im Sinne einer intuitiv gesteuerten elterlichen Früherziehung ermöglicht die frühe Kommunikation, die vielfältigen Entwicklungs-, Bindungs- und Bildungsaufgaben der ersten Lebensjahre gemeinsam zu meistern.

Macht das Geschlecht einen Unterschied? Ergebnisse der Tandem-Studie zu männlichem und weiblichem Erziehungsverhaltens in Kitas.

11:00 Uhr   Ort: Konzertkirche Neubrandenburg

Prof. Dr. Holger Brandes, Ev. Hochschule Dresden

Es ist weitgehend unumstritten, dass Kinder von männlichem Fachpersonal in Kitas profitieren und entsprechend wird von der EU-Kommission wie nationalen Ministerien ein höherer Männeranteil in der Frühpädagogik angestrebt. Tatsächlich aber gibt es bislang national wie international keine durch systematische Forschung abgesicherten Erkenntnisse darüber, inwieweit sich männliche und weibliche Fachkräfte tatsächlich in ihrem Umgang mit Kindern unterscheiden. Die vom BMFSFJ geförderte Tandem-Studie (2010-2014) untersucht erstmals im Vergleich die konkrete pädagogische Aktivität von Erziehern und Erzieherinnen in einem quasi-experimentellen Setting. Standardisierte Alltagssituationen werden videografiert und in einem Rating-Verfahren hinsichtlich verschiedener Dimensionen eingeschätzt. Außerdem erlaubt das Material Aussagen zu bevorzugten Themen, Materialien und Aktivitätsformen. Ergänzend werden Interviews mit den Teilnehmenden ausgewertet.

Wesentlich für das Design der Studie ist der Rückgriff auf Tandems, d.h. Männer und Frauen, die gemeinsam in einer Institution und Kindergruppe arbeiten. Hierdurch wird der Einfluss der pädagogischen Konzeption kontrolliert. Insgesamt sind über 100 Fachkräfte, 40 Mann/Frau-Tandems und als Kontrollgruppe 12 Frau/Frau-Tandems in die Untersuchung einbezogen. Der Vortrag stellt das Forschungsdesign und wichtige Ergebnisse der Studie dar: Abgesehen von verschiedenen Detailergebnissen zeigt sich dabei hinsichtlich fachlicher Standards kein relevanter Geschlechtseffekt. Bei der bevorzugten Tätigkeit und im Aufgreifen von Themen und Interessen der Kinder zeigen sich aber Differenzen, die mit dem Geschlecht korrelieren. Bestätigt wird dies durch geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der Materialauswahl und der entstandenen Produkte.

Analyse emotionaler Dynamiken in Gewaltinteraktionen an Hand von Videodokumenten

13:00 Uhr   Ort: Konzertkirche Neubrandenburg

Ass. Prof. Dr. Stefan Klusemann,  Universität Chicagao

Emotionen sind konstitutiver Bestandteil gewaltsamer Konflikte. In diesem Vortrag werde ich zeigen, wie qualitative Videoanalyse mit Hilfe von Paul Ekman’s Forschungsmethoden (zur Identifizierung von Emotionen in Gesichtsausdrücken, Körpersprache und Stimme) wichtige und neue Einblicke in die emotionalen Dynamiken von Gewalthandeln erlaubt und für die Prävention von Gewalt nutzbar gemacht werden kann. In meinem Vortrag werde ich Videomaterial vom 1995 Srebrenica-Massaker analysieren. Zentrales Argument wird sein, dass emotionale Dynamiken in Mikrointeraktionen entscheidend dafür sind, wo und wann Massaker passieren und wo und wann nicht.

 

Die Auswirkungen und der Nutzen der Bildungsdokumentation anhand der Lerngeschichten im Bildungssystem Neuseelands

14:00 Uhr   Ort: Konzertkirche Neubrandenburg

Dr. Alexandra Gunn, Otago University, New Zealand

Building understandings of learning and development through learning stories

(Vortrag in englischer Sprache mit deutscher Übersetzung)

Fragen von Engagement, der Motivation, dem gemeinsamen Verständnis von Lernen stehen im Mittelpunkt der Themen dieser Konferenz über Interaktion und Lernen. Dies ist auch der Hintergrund, weshalb mit narrativen Praktiken der Beurteilung (Lerngeschichten) in Neuseeland die Entwicklung von Kindern in den frühen Jahren erfasst werden. Das Ausmaß, wie die Lerngeschichten Eltern und Lehrer/in gemeinsam die Einschätzungen der Kinder beeinflussen und auch die Interaktionen über das Lernen und die Entwicklung sind sehr unterschiedlich.

Es hängt zum Teil von der Kompetenz der Lehrerin bzw. des Lehrers ab, wie die jeweiligen Entwicklungsleistungen sichtbar gemacht werden. Zusätzlich stellt der soziale Raum des kommunalen Kontextes der frühen Kindheit besondere Weichen in der individueller Einstellung zum Lernen und der eigenen Entwicklung, die vor allem durch die Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden entwickelt wird. Diese Präsentation untersucht, wie narrative Beurteilung über Lerngeschichten die Interaktionen und das Verständnis von Lernen und Entwicklung in der frühkindlichen Bildung aufbaut. Es wird der Frage nachgegangen, wie die so dokumentierten Lerninteraktionen eine Unterstützung für Lehrer/innen und auch der Eltern und Kinder in positive Wechselwirkungen gebracht werden können.

 

Visible Learning – Sichtbares Lernen: Die Ergebnisse der Hattie-Studie und was unsere Schulen brauchen

15:00 Uhr   Ort: Konzertkirche Neubrandenburg

James Nottingham, Visible Learning Plus, Großbritannien

Visible Learning: lessons from the synthesis of 1000 meta-analyses

(Vortrag in englischer Sprache mit deutscher Übersetzung)

James Nottingham hält regelmäßig Vorträge gemeinsam mit Professor John Hattie. Zudem leitet er auch das Unternehmen mit der exklusiven Lizenz für Visible Learning plus für den Bereich Europa. Seine Ansätze werden besonders in den skandinavischen Ländern umgesetzt. In seinem Vortrag wird James Nottingham einen Einblick in die Prinzipien von Visible Learning plus geben, die in logischer Folge aus der bekannten und vielzitierten John Hattie-Forschung entwickelt wurden. Er wird die Theorie dieser Forschung erläutern und wie dieses Modell des sichtbaren Lernens für Pädagogen und auch für Leiter von Organisationen umgesetzt werden kann. Es werden Inhalte über die Auswirkungen der veränderten Lehr- Lerngestaltung dargestellt, welche Veränderung in Bezug auf die Leistungen der Schüler eintreten und welche Fortschritte diese weiteren Veränderungen des Umgangs und der Haltung mit sich bringen.