Bildungskongress „GO APP – praktisch lernen“

Inhaltsbeschreibungen der Workshops und der Vorträge am Sonnabend 21. September

Vortrag 3

Macht das Geschlecht einen Unterschied? Ergebnisse der Tandem-Studie zu männlichem und weiblichem Erziehungsverhaltens in Kitas.

11:00 Uhr   Ort: Konzertkirche Neubrandenburg

Prof. Dr. Holger Brandes, Ev. Hochschule Dresden

Es ist weitgehend unumstritten, dass Kinder von männlichem Fachpersonal in Kitas profitieren und entsprechend wird von der EU-Kommission wie nationalen Ministerien ein höherer Männeranteil in der Frühpädagogik angestrebt. Tatsächlich aber gibt es bislang national wie international keine durch systematische Forschung abgesicherten Erkenntnisse darüber, inwieweit sich männliche und weibliche Fachkräfte tatsächlich in ihrem Umgang mit Kindern unterscheiden. Die vom BMFSFJ geförderte Tandem-Studie (2010-2014) untersucht erstmals im Vergleich die konkrete pädagogische Aktivität von Erziehern und Erzieherinnen in einem quasi-experimentellen Setting. Standardisierte Alltagssituationen werden videografiert und in einem Rating-Verfahren hinsichtlich verschiedener Dimensionen eingeschätzt. Außerdem erlaubt das Material Aussagen zu bevorzugten Themen, Materialien und Aktivitätsformen. Ergänzend werden Interviews mit den Teilnehmenden ausgewertet.

Wesentlich für das Design der Studie ist der Rückgriff auf Tandems, d.h. Männer und Frauen, die gemeinsam in einer Institution und Kindergruppe arbeiten. Hierdurch wird der Einfluss der pädagogischen Konzeption kontrolliert. Insgesamt sind über 100 Fachkräfte, 40 Mann/Frau-Tandems und als Kontrollgruppe 12 Frau/Frau-Tandems in die Untersuchung einbezogen. Der Vortrag stellt das Forschungsdesign und wichtige Ergebnisse der Studie dar: Abgesehen von verschiedenen Detailergebnissen zeigt sich dabei hinsichtlich fachlicher Standards kein relevanter Geschlechtseffekt. Bei der bevorzugten Tätigkeit und im Aufgreifen von Themen und Interessen der Kinder zeigen sich aber Differenzen, die mit dem Geschlecht korrelieren. Bestätigt wird dies durch geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der Materialauswahl und der entstandenen Produkte.